Bodengutachten: 2 Sondierungen reichen!?

Oft erhalten wir Anfragen mit genauen Vorgaben wo wieviele Sondierungen bis in welche Tiefen durchzuführen sind.
Bei allgemeinen oder unspezifischen Bodenuntersuchungen mag das durchaus den beabsichtigten Zweck erfüllen.
Bei Baugrundgutachten sieht das allerdings etwas anders aus. Hier gibt es klare Vorgaben im Eurocode 7 (EC 7), dem europaweit einheitlichen und verbindlichen Regelwerk für geotechnische Erkundungen und Baugrundgutachten (sogenannter "Geotechnischer Untersuchungsbericht").
Genauer: EC 7-2 regelt die Erkundung und Untersuchung des Baugrundes, und zwar verbindlich!
Das, was zuvor in der DIN 4020 geregelt war, ist größten Teils in den EC 7-2 übergegangen. Der "Rest" wurde mit der Einführung durch die DIN EN 1977 Teil 2 im Nationalen Anhang geregelt. Die wesentlichen Vorgaben der DIN 4020 gelten also weiter.
Und bei einem Blick in diese einschlägigen Regelwerke stellt man ohne Weiteres fest:
Zunächst ist die geotechnische Kategorie (GK) für den Standort des Vorhabens festzulegen. Und genau diese GK ist maßgeblich dafür, ob Baugrunduntersuchungen erforderlich sind und ggf. in welchem Umfang (Art, Anzahl, Tiefe etc.).
Hier sei die Frage erlaubt, ob dies von einem Bauherrn so ohne Weiteres übersehen werden kann. Der EC 7-2 umfasst immerhin 198(!) Seiten in schönstem Technikdeutsch..
Diese Zweifel bestehen allerdings nicht nur in Bezug auf Bauherren sondern schließen eine Großzahl von "Nicht-Ingenieur-Geologen" und "Nicht-Geotechnikern" grundsätzlich mit ein. Nicht umsonst sind die Ingenieurgeologie bzw. die Geotechnik Spezialdisziplinen eines Hochschulstudiums des Bauingenieurwesens bzw. der Geowissenschaften.

Und wer trägt eigentlich das Risiko, wenn etwas schief geht? Man stelle sich nur einmal vor, was los ist, wenn ein Neubau Setzungsrisse aufweist oder sich nach und nach eine Schiefstellung zeigt.

Sind zur Klärung, wer das zu verantworten hat erst einmal Juristen im Spiel, wird zu allererst geklärt,ob alle formalen Anforderungen - und dazu gehören die einschlägigen technischen Regelwerke - eingehalten wurden und insbesondere, ob es ein Baugrundgutachten gibt.
Bei einem leichtsinnigen Umgang mit den einschlägigen Regeln der Technik wird auch keine Berufs- oder Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung etwas nützen.

Bauherrn, Architekten, Statiker und Bauträger sind gut beraten, sich bei der Frage nach der Baugrundqualität an Fachleute zu wenden. Das sind dann nachher auch diejenigen, die im Rahmen ihrer Tätigkeit dafür in der Haftung stehen.
Deshalb: 2 Sondierungen können genug sein - aber das muss der Fachmann entscheiden!



Eingestellt am 28.05.2013 von Dr. Harald Fank
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